Auszug aus: Die Göttin - eine Reise durch das Leben von Hanimun

Autor: Hanimun
Titel: Auszug aus: Die Göttin - eine Reise durch das Leben
Kategorie: Biografien
publiziert am: 27.04.2010 13:58
Inhalt:

Die Reise – Jamaika der Weg

Die Göttin und nun eingeweihte Priesterin ist nun ab getaucht in die Unterwasserwelt, windet sich wie ein Aal aus der kleinen Öffnung um dann auf sandigem Boden aufzusetzen. Nur wenige Sekunden nur hat sie Zeit sich den Bleibarren zu entledigen, nur drei Meter trennen sie von der Oberfläche, dem Reich hin das mit Luft und Leben gefüllt ist. Sie taucht mühelos nach oben, Sonnenstrahlen tanzen auf der Wasseroberfläche, sie muss jetzt blinzeln, denn es schmerzt ein wenig in den Augen. Voller Genuss nimmt sie einen tiefen Atemzug und pustet laut und vernehmlich aus, ähnlich wie bei einem erfüllenden Orgasmus. Das was sich endlich aus ihr befreit hat, die innere Erstarrung hat sich gelöst. Das Ritual ist geglückt, die Prüfung ist bestanden. Sie lässt sich ein paar Minuten auf dem Meer treiben, genießt die wohlige Wärme die, die Sonne ihr schenkt und stellt fest, ja, sie ist jetzt in diesem Moment glücklich. Sie bemerkt ein paar Hundert Meter weiter entfernt die Gestalten am Ufer und weiß es warten ihre Lieben auf sie. Sie erahnt schon die ängstlich besorgten Kinderaugen und die magisch – braunen Augen des Magiers, die ungeduldig auf sie warten. Sie sieht beim Näher schwimmen schon Rauch aufsteigen, der aus einem Lagerfeuer entstammt und ihr sicher den Weg weist, in die richtige Richtung, die sie nun erwartungsvoll anstrebt. Hunger, nagender Hunger, hat sich nun im Leib fest gekrallt und sie wird nicht enttäuscht werden, denn er wird schon etwas Leckeres vorbereitet haben, damit sie sich stärken kann. Sie schauen sich beide an, verstehen sich ohne Worte, nicken nur, die Augen sprechen Bände. Sie sind sich vertraut, haben alle Facetten des Lebens im Miteinander gelebt. Sie wird niemals den Tag vergessen, wo sie ihm, vor vielen Jahren, ihren Traum erzählte. Eines Tages, als sie des Nachts neben ihm lag, hatte sie diese Vision, obwohl sie einst schon wusste, dass es wohl nicht mehr viele gemeinsame Nächte geben würde. In ihrer Zukunft würden sie kein Paar mehr sein und so geschah es auch. Erst später, Jahre danach spricht sie von dem Traum und er ist keineswegs verwundert, denn er wusste es ja, dass sie die „Frau mit dem zweiten Gesicht“ ist. Es wird wohl so sein wie sie sagt, beteuert er damals. Heute, hier denkt sie daran und erinnert sich an diesen Traum: Sie hat eine lange Anreise hinter sich, ist sehr erschöpft und schlendert durch üppige Vegetation. Von weitem kann sie ein Haus erkennen, dass inmitten des Paradieses steht. Eine lang andauernde örtliche Trennung war hier vorausgegangen, denn ihr Herz springt vernehmlich in ihrem Brustkorb, läuft förmlich über vor soviel Wiedersehensfreude. Es ist ein behagliches Gefühl, gepaart mit Stolz auf ihn, der dort kniet und ein letztes Stück an der Hauswand richtet und sie noch gar nicht bemerkt hat, so eifrig ist er beschäftigt. Sie bleibt stehen, nur einen Augenblick lang genießt sie die Erfüllung ihres Traumes, die eine Vision war. Eine Zukunftsvision, die sich nun in diesem Moment erfüllt. Sie dankt Gott für diese Gabe und schon hat er sie bemerkt, dreht sich um und strahlt – so wie sie es einst gesehen hat! Liebe ist immer noch zwischen ihnen beiden, wenn es auch eine Liebe geworden ist die den Ausgang nicht kennt. Ein karmisches Band immer zwischen ihnen beiden da sein wird, nun aber inzwischen zum Positiven hin aufgelöst. Tröstlich das zu wissen, dass sie dieses wohl beide mit in ihr nächstes Leben mitnehmen werden. Sie haben hier im Jetzt, in diesem Leben ihren Frieden miteinander gefunden. Sie genießt nun diese Szenerie ein paar Augenblicke lang. Eine junge Schwarze steht etwas abseits und beobachtet sie jetzt etwas schüchtern, dennoch zeigen ihre Augen auch Entschlossenheit. Die Magierin, die Schamanin ist angekommen! Das macht ihr ein paar Augenblicke Angst. Aber ihr warmherziges Lächeln vermittelt ihr, der Frau des Magiers, dass alles in Ordnung ist und keine Gefahr droht. Sie versteht auch ohne viel Worte das nur die Magierin, nur die Mutter der gemeinsamen Söhne hier zu Besuch ist und keinesfalls eine Rivalin und Feindin des Mannes. Schüchtern reicht sie ihr die Hand, versöhnlich warm ist ihr Händedruck, etwas scheu spürt sie die Energien die nun fließen. Sie weiß, es wurde ihr schon vor ein paar Tagen erzählt, dass die weiße Frau kommen wird um zu heilen, zu meditieren und um Kraft zu schöpfen, um das, was noch kommt ganz zu vervollkommnen. Dort in der unbekannten Welt über dem Meer. Ihre einstige Vision und die Gedanken an den Beweis, den sie vor wenigen Tagen erhalten hatte, lässt die Göttin nun hinter sich und konzentriert sich auf das Lichtspiel des Lagerfeuers. Er hat ihr inzwischen eine Zigarette gedreht, so wie er es immer macht und reicht sie ihr schweigend, wohl wissend, dass jetzt nur der Hunger und Durst gestillt werden möchte aber keineswegs der Redefluss. Er hier, scheint überhaupt der einzige Mensch zu sein mit dem man schweigen kann und doch findet eine Kommunikation statt. Er verkündet unmittelbar, dass nun in nur fünf Minuten etwas sehr Leckeres serviert wird. Die Göttin atmet den Rauch ein, genussvoll inhaliert sie und beobachtet indessen wie am Horizont sich schlagartig eine orange - rötliche Einfärbung abzeichnet, die Sonne, ein roter Ball ins Meer gleitet, so wunderschön. Schöner als sie je in Europa gesehen hat. Hier auf dieser Insel sieht es aus, als würde sich jeden Abend die Sonne ins Meer schlafen legen und ein geborgenes Gefühl ist so in ihr. Es ist ein berauschendes Gefühl hier auf dieser „magischen Insel“!! Der Sonnenuntergang vollzieht sich rasend schnell und ihr wird bewusst, dass ihre Einweihung in der Grotte in etwa sieben Stunden gedauert hat. Die Göttin muss lächeln, denn sie denkt an ihren zweiten Tag auf der Insel zurück: Völlig ermattet war sie Traumlos eingeschlafen und erst am Nachmittag des folgenden Tages erwacht. Der Jet leg hatte sie mit aller Macht dahin gestreckt und nur ein kecker Vogel hatte dafür gesorgt sie aus ihrem Dornröschenschlaf zu reißen, indem er laut und vernehmlich krähte, im Geäst einen Tumult machte, wie sonst Kinder auf dem Schulhof. Sie ist schweißgebadet, steht auf und trinkt einen ganzen Krug Wasser aus, den wohl Jemand fürsorglich für sie bereitgestellt hat. Sie vernimmt ein Kichern und schaut nun in braune Äuglein, kleine unschuldige Kinderaugen, die jetzt durch das Fenster ohne Glas schauen, um sie zu beobachten. Sie blitzen freudig, als sie bemerken, dass die weiße Frau lächelt und sich das kühle Wasser schmecken lässt. Die Äuglein gehören einem kleinen Jungen, der in einer fremden Sprache zu ihr spricht. Sie antwortet in nur wenigen Worten in englischer Sprache, formuliert den Satz langsam, in der Hoffnung der Junge versteht etwas: „Where is Sweethand our Farmer of the Highlands?“ Mit zahlreichen Gesten vermittelt ihr der neugierige, kleine Kerl, dass er sie verstanden hat und dass er sie führen wird. Er zeigt ihr stolz seine, mit rotem Staub bedeckten Nike Turnschuhe und kleine weiße Zähne blinken in der Sonne. „Wow! They are beutyfull, very beutyfull!“ Teilt die Göttin ihm mit und setzt einen großen Panamahut auf, damit die Sonne ihr nichts anhaben kann auf den Weg durch die Farm. Neugierige Hunde kreuzen ihren Weg, ein kurzes „Wuff“ ertönt leise aus deren Kehle, so schleichen sie sich ein wenig scheu, aber freudig erregt und schwanzwedelnd in ihre Richtung und beschnuppern neugierig den „Eindringling“. Der Gast aber, scheint angenommen worden zu sein, leichtfüßig schlendern sie mit der Göttin und Herrin mit, im Blickwinkel die Bananenbäume, Tabakpflanzen, Zuckerrohr und unbekanntes Schlinggewächs mit sattem Grün, leuchtend bunte Blumen. Putzige kleine, rote Vögel werden durch die Hunde verschreckt und Flügel schlagend steigen sie zum blauen Himmel auf. Nach zehn Minuten Wanderung erreichen sie dann ihren „Farmer“, braun gebrannt steht er da und buddelt in roter Erde herum, so als würde er mit Naturgewalten ringen. Er erblickt sie dennoch aus der Ferne und ruft: „Na, das wurde aber auch Zeit! Der lange Flug schafft ganz schön, was? Wie ich sehe hast du auch schon ein paar Freunde gefunden!“ In der Hand hält er eine pralle, gelbe Mango, zieht ein Messer aus der Hosentasche, schält sie und reicht sie ihr nun. Das schmeckt! Mmhhm! Der Saft tropft an ihr hinab und die Sonne ist in dieser Frucht gefangen und nun in ihr. Sie greift in rote Erde, fühlt die Wärme und die Feuchtigkeit. Sie denkt an ihre Vision:„Rote Erde – Zu Hause sein“, den Ort, wo sie glücklich wird. Sie kann in diesem Augenblick nicht widerstehen und reibt ihren Körper damit ein. Sie ist jetzt eins mit sich, mit ihrer Bestimmung. Sie denkt an die Suren – Frauen, dort weit weg in Afrika. Sie hat sie einst in einem Bildband gesehen, diese Frauen, die sich mit Rindertalg und roter Erde ein salben – die Körper rot strahlen, so sinnlich und so schön anzuschauen und sich praktisch, so auch vor der Sonneneinstrahlung schützen. Der Magier lacht jetzt, denn er wundert sich über die Göttin keineswegs mehr und schaut sie liebevoll an wie sie sich rechtfertigt: „Ja, ich werde einmal experimentieren müssen und eine Heilsalbe herstellen! Die hat bestimmt große Heilwirkung bei Sonnenbrand!“ „Ja, hier gibt es viel zu entdecken, für jedes Leiden wächst hier etwas!“ Antwortet er sogleich und geht voran um ihr ein paar Heilkräuter zu zeigen. Ein guter Tag der Lehre hat nun für die Schamanin begonnen. Unbedingt möchte sie hier in die Lehre gehen, denn sie ist Heilerin, hier eins mit der Natur, dem Paradies. Hier um ihre Bestimmung zu vervollkommnen. Ihr „Ich“ hat sie gefunden, nun wird sie ihre tiefe Bestimmung finden um dann zur „Vollendung“ zu gelangen. Die träumende Göttin erwacht wiederum abrupt aus ihren Erlebnissen der letzten Tage und bemerkt nun, dass es inzwischen ganz dunkel geworden war. Das herunter gebrannte Lagerfeuer wird neu entfacht, das eingenommene Mahl hat wirklich köstlich geschmeckt, denn ihre Geschmacksknospen erinnern sich noch gut an das Aroma des kurz gedünsteten Gemüses, dem pikanten gebratenen Fisch und dem klebrigen Reis. Alles sehr scharf gewürzt, so wie sie es gut kennt von ihrem Magier. Ein Tag geht zu Ende. Ein schöner Tag und erschöpft schläft sie ein und vernimmt noch sanfte Klänge der kleinen Trommeln die leise geschlagen werden. Im Traum nimmt sie ihn mit, den Mann mit blauen Augen. Sie schläft wie eine Tote, denn die Einweihung war ermüdend. Am nächsten Morgen weckt sie eine leichte Brise des Meeres auf und vernimmt das leise Rauschen der Wellen die jetzt unaufhörlich an den Strand gespült werden. Die Sonne hat schon ihr Licht entzündet und Frieden ist in ihr. Am Meer hat sie sich schon immer glücklich gefühlt, so als würde jede Woge die ans Ufer rollt ihre Wunden waschen. Sie hat nun Appetit auf einen aromatischen Kaffee und ein Stück Brot oder dergleichen und verkündet dies gut gelaunt ihrem Magier. Er, der sich wohlig räkelt. Er dreht sich erst einmal eine Zigarette, sie aber lehnt dankend ab. „Alles zu seiner Zeit“, sagt sie, „komm, lass uns doch in ein Café gehen und frühstücken, man muss sich auch einmal etwas Luxus gönnen!“ Gesagt, getan, so marschieren sie beide nun in den schon lebhaften Teil des Touristenortes, vorbei an dem Wochenmarkt. Das Leben pulsiert hier schon, so als hätte es keine Nacht gegeben. Üppige Früchte in allen Formen und Farben, Batik gefärbte Tücher, gackernde Hühner, festgebunden an einem Strick, um sie am Weglaufen zu hindern, ziehen an ihnen vorbei. Dunkle, schöne Menschen, teils mit filzigem Haar, zurückzuführen auf sonst kleine, mit Perlen geflochtene Zöpfchen in der unbändigen, krausen Pracht auf dem Kopf, schlendern auch an ihnen vorbei. Kochtopfförmige, große Mützen, wohl aus gestrickter Baumwolle, kunterbunt, in allen schönen Regenbogenfarben, thronen geradezu auf deren Häuptern. Schöne, vollbusige und rassige Frauen mit einer Ebenholz farbigen Haut, blendend großen, weißen Zähnen, lächeln sie nun unvermittelt an, in der Hoffnung auf einen guten Verkauf ihrer Ware. Männer, voll gepumpt mit Testosteron schnalzen mit der Zunge, sprechen Obszönitäten aus, flirten ganz ungeniert mit ihr, der Göttin, die immun ist gegen jegliche Triebhaftigkeit. Dennoch lächelt sie höflich aber distanziert zurück, was jedoch scheinbar das Interesse der rassigen Herren noch mehr anstachelt. Das Unnahbare und auch Geheimnisvolle anziehend wirkt, mal abgesehen von der hellen, zarten Haut, dem blonden, langen Haar und den weiblichen Rundungen, die viel versprechend sind. Sie nickt ihrem Magier zu und schon kehren sie ein, in einem der vielen Cafés vor Ort und bestellen. Er schaut sie eindringlich an, denn er hatte wohl bemerkt, dass sie sich nicht sehr wohl gefühlt hat. “Mach dich doch frei, sei locker, das hier ist ganz normal! Das sind wohl die Sonne und die Hitze, die Hormone werden heftig angekurbelt. Die haben hier immer Lust auf Sex!“ Verkündet er und scheint ganz in seinem Element zu sein. Sie, die Göttin seufzt aber leise und sagt: „Ja, ist ja ganz in Ordnung, aber mir ist eben nach Liebe und nicht nur Trieb ausleben, es sperrt sich da etwas in mir, ich kann es nun mal nicht ändern!“ Er schaut nachdenklich, peinlich berührt mit seinen braunen Augen und brüllt nun etwas lauter gegen die einsetzende Musik an, die fröhlich dahin dudelt. „Dich hat es aber diesmal ganz schön erwischt, was?!“ Anschließend dann die Fahrt mit dem Taxi, ein Vehikel das an allen Ecken und Enden quietscht, in der Kurve die stets rasant genommen wird, schier droht auseinander zu fallen, in Richtung Farm. Vorbei ziehen große Zuckerrohrfelder in ihrer ganzen Pracht, Bäume, die so groß sind wie unsere Hochhäuser in Berlin, deren Stämme, möge man sie umrunden, so einen halben Tagesmarsch ausmachen würden. Laut schwatzend sitzen die Vögel in den Zweigen, Sittiche und auch kleine Papageien, die scheinbar den ganzen Tag in ihrer Diskussionsrunde dort oben streiten. Er schreit jetzt laut gegen das Gequietsche des Vehikels an: „Jetzt besuchen wir die Älteste hier am Ort! Das ist doch was für dich, du Altenpflegerin. Habe was zu essen für sie, kannst dich doch sicher noch erinnern was ich dir über sie erzählt habe? Sie wartet schon auf die „weiße Frau mit Falken auf dem Arm – die magische Frau aus Übersee!“ Die Göttin ist ein wenig verlegen über so viel Ehre die ihr zuteil wird und lächelt. Sie hat das Bild der Alten noch vor Augen, von einem Photo, das er einst gemacht hatte und ihr in Berlin bei einem seiner Besuche unter die Nase hielt. Es ist wohl ihre Bestimmung: Die Heilerin, sie kommt und wird nicht enttäuscht werden, über so viel Freude, die ihr in Form von hellen, wachen Augen entgegen blitzen. Als dann die Alte sie beide nämlich erblickt, nachdem sie sich gut durch gerüttelt aus dem Taxi heraus schälen, nimmt die Göttin eine unglaubliche Energie wahr. Sie gehen auf die Hütte zu und die Göttin blickt in das faltige Gesicht der Alten und dennoch schaut sie eine ganz junge Seele an. Sie reichen sich die Hände und die Energien fließen ineinander über. Man versteht sich auch ohne Worte. Vorerst aber stürzt sich die Greisin jedoch auf das mitgebrachte Hähnchen, schmatzt ungeniert und schwatzt flirtend mit dem Magier. „Ich übersetze mal was sie gerade gesagt hat: Sie hat gewartet, nur auf dich, die Frau mit dem „zweiten Gesicht“. Sie hat gewartet mit dem Sterben, weil du doch ihre Schmerzen etwas lindern kannst und sie bald wirst begleiten in das Reich des Todes. Sie sagt, dass du wüsstest wann ihre Zeit gekommen ist. Dies hat ihr einmal eine junge Kreolin prophezeit. Du bist die weiße Frau die über das Wasser kommt. Du wirst sie salben, wenn sie in die große Welt des Todes geht!“ Die Göttin nickt und deutet der Alten an, dass sie Heute nicht sterben wird, ihre Zeit sei noch nicht gekommen. „Sag ihr, das Rheuma und die Arthritis sind auch durch Magie nicht weg zu zaubern. Aber sie können etwas gemildert werden damit sie ein wenig ohne Schmerzen gehen kann!“ So macht sich die Göttin, die Schamanin an die Arbeit und lässt ihre Energie fließen. Wärme durchflutet die alten Gebeine und das Kreuz der Alten, die ganz krumm und gebeugt sind durch 94 Jahre Dienstzeit auf dieser Erde. Ohne es zu bemerken haben nun beide Frauen leise zu summen begonnen, eine sanfte, leise Melodie entspringt den Schwingungen die beide miteinander verbindet, sie „Eins“ werden lässt für ein paar Momente. Der Magier indessen sitzt im Schatten eines Baumes mit seinem Freund den Taxifahrer, sie lassen sich ein Pfeifchen schmecken und lachen vergnügt. Denn das ist das Leben! Nach Beendigung der Reiki – Behandlung schlendert die Göttin zum Magier und lächelt. Er lächelt zurück und sagt: „Da bist du ja wieder! Na, warte nur ab, wenn die ersten kommen die eine Wunde versorgt haben wollen. Brauchst gar nicht mehr lange warten! Umsichtig, dass du da einiges an Verbandsmaterial mitgebracht hast. Aber auch die mitgebrachten guten Medikamente gehen hier weg wie warme Semmeln! So, jetzt aber ab nach Hause! Ich muss mich jetzt um meine Pflanzen kümmern. Wenn du willst, dann kannst du ja mit den Kids bewässern, sieht nämlich heute nicht nach Regen aus!“ Die Göttin lächelt und freut sich auf solch ein Abenteuer und ist dankbar so gut beschäftigt zu sein. Sie wird gebraucht und dazu noch im Paradies! Das ist kein Traum mehr. Was will der Mensch mehr? - Die Göttin sitzt auf einer Anhöhe, unter ihr, zu ihren Füßen das Tal über den sich die Dunkelheit nieder lässt. Eine weiße Kerze weist ihr den Weg in die beginnende Meditation. Sie begibt sich wie immer in aller Stille in ihre Trance, das summen und leicht vibrierende „ Raaaaaaam“ ist in ihr, fließt in ihre Zellen, kein Laut zu hören, Stille, nur das sanfte Konzert des Kosmos, der Zwischenwelt vernimmt sie. Häuser und Plätze, die sie einst gesehen hat, ziehen an ihr vorbei – Bilder nur und doch mit großer Bedeutung. Das Haus, ein Hochhaus, als Kind immer wieder angesehen und zu wissen: Hier werde ich später bald ein und ausgehen. Eine große Bedeutung wird dieses Haus bald haben. Nur etwa drei Jahre später, immer noch magisch angezogen von diesem Haus, bestätigt sich dieses Wissen. Das ist zweifelsfrei dann das zu Hause ihrer liebsten Schulfreundin. Diese Freundin, die zu ihrer Langjährigsten fürs Leben sein wird. So wird dieses Hochhaus so etwas wie ihr zweites zu Hause, es war mit ihr eng verknüpft. Und wieder ein Hochhaus. Der Film läuft vor ihren Augen ab, kann sie in Trance nicht beeinflussen. Das Hochhaus am Ende der Straße, wo sie ihre Kindheit verbringt. Sperrmüll steht überall herum, neugierig schaut sie sich die alten ausrangierten Möbel an, schlendert magisch angezogen um dieses Gebäude herum und weiß, dieses Haus wird einmal, bald und doch noch fern, eine entscheidende Bedeutung haben, denn die Kastanien die dort stehen werden da noch tüchtig wachsen müssen bis sie als Bewohnerin zurückkehrt. So geschah es dann auch, etwa zwanzig Jahre später wohnte sie dort in diesem Haus mit ihrer Familie. Viele Fahrten mit der S – Bahn, Jahr um Jahr, ratterte die Bahn mit ihr in Richtung Wedding zu ihrer guten Freundin. Zwei Haltestellen, bevor sie aussteigen musste, schaut sie immer andächtig auf den Bahnhof und auf die Altbauten die ganz dicht in Reih und Glied dort standen. Nun, kein sehr schöner Anblick, die Fassaden grau in grau, eingetaucht in immer währenden Schatten. Eben dies fühlt sie auch, Jahr um Jahr, denn sie weiß nur zu gut, dass auch hier sie bald einmal wohnen wird. Es bestätigt sich ebenfalls, denn später einmal wohnt sie tatsächlich drei Monate dort. Läuft jeden Tag entlang dieser Häuser zur Station um den Zug zu besteigen. Mit Kummer im Herzen, mit Tränen in den Augen, jeden Tag. Im Schlepptau den Ziehwagen voll Wäsche und ihr Leben und ihre Gefühlswelt entspricht exakt den Empfindungen die sie damals beim vorbeifahren gefühlt hat. Eine Welt im Schatten, ebenso wie diese Zeit des Umbruchs bei ihr. Der Film der Göttin läuft weiter ab, manifestiert sich vor ihrem dritten Auge. Sie sieht einen Hofgarten, irgendwo, genau kann sie nicht mehr beschreiben, wo sie ihn sah, dennoch weiß sie, dass sie in diesen Hofgarten viele Monate blicken wird, geradezu andächtig schauen wird. Sie sieht einen Stein leuchten, er befindet sich in einer Vitrine. Es scheint ein Zauberstein zu sein, denn er sendet helles, weißes Licht aus und transportiert dieses Licht wie eine Botschaft zu ihr hin und erscheint vor ihrem dritten Auge. Eines Tages steht sie in diesem Raum, dort befindet sich die Vitrine und darin ist der lichthelle Stein. Sie blickt in den Hofgarten und jedes Detail ist ihr vertraut. Sie schaut in blaue Augen und auch diese Augen, die einem guten alten Freund gehören, der bald ihr Liebhaber sein wird, sind ihr vertraut. Die intensiven Schwingungen die sie einst wahrnimmt bestehen fort, der licht helle Stein jedoch wird viel Glück aber auch sehr viel Schmerz erleben. Mit diesem Wissen zelebriert die Göttin ein Ritual der Magie um das Schicksal gnädig zu stimmen. Das Schicksal aber lässt sich, wie sie bald feststellen wird, nicht mit Zauberei beeinflussen. Obwohl sie doch die Zukunft kennt, vermag sie, sie nicht zu beeinflussen. Das Schicksalsrad dreht sich und nimmt seinen Lauf. Auch die vielen Helfer der positiven Energien, die Mineralien und Edelsteine, ebenso wenig wie der Meteorit, können das Schicksal positiv lenken. So bleibt ihr nur ein Jahr Glück. In tiefer Trance läuft der Film weiter und nun scheint es sie befindet sich an der Schwelle der Gegenwart zur Zukunft hin. Sie sieht eine Hütte, es ist dunkel, Fenster ohne Glas, durch sie bricht sanftes Licht hinein, die das innere der Hütte offenbart. Eine Alte liegt still auf einer Schlafmatte, ist in eine bunte Decke gehüllt. An ihrer Seite befindet sich die Göttin selbst. Sie wäscht mit größter Sorgfalt diesen kleinen, zarten Körper. Es ist still in diesem Haus, es ist die Stille des Todes. Besinnlich und unerschrocken fährt die Göttin fort mit den duftenden Salbungen. Anschließend steht sie auf und öffnet die Klappläden der Fenster ganz und gar, lässt die Seele hinaus ziehen damit sie sich nun auf die lange Reise machen kann. Sie beendet ihren Trancezustand umgehend und geht zu ihrem Magier und spricht leise zu ihm: „Morgen in der Frühe werde ich die Alte besuchen gehen. Ihre Zeit ist nun gekommen. Ich möchte sie gerne hübsch machen für die letzte große Reise!“ Er nickt. Es bedarf keiner weiteren Worte. Wenn sie hier, die magische Frau es sagt, dann ist das so! So sieht er sie am nächsten Morgen ganz früh gehen. Die schwarzen Papageien, die tatsächlich jedoch dunkelblau sind, fliegen von Baum zu Baum und beäugen sie neugierig. Hat sie nicht einst gesagt: „Ich werde dich beim sterben begleiten, das ist sicher, du wirst es sehen, ich werde das Letzte sein was du noch lebend erblicken wirst“ Damals hat er das abgetan als reines Wunschdenken, denn sie waren sehr verliebt und ein Paar. Da ist es verständlich, dass man sich wünscht beim sterben des Partners dabei zu sein, miteinander alt werden und das letzte Erlebnis auch miteinander teilen so wie das gemeinsame Leben. Heute aber, wie er da so sitzt, erinnert er sich an ihre Worte im einzelnen und stellt fest, dass sie wusste sie würden getrennt leben, lange, bevor er sterben würde und doch weiß sie, sie wird bei ihm sein, wenn er einmal die große letzte Reise geht. Es sind ihre Visionen, die sie immer wieder hat und sie bestätigen sich immer wieder. Zeit spielt hier keine Rolle, denn sie erfüllen sich sowieso. Diesem Mysterium war er von Beginn an unterworfen, immerzu hatte sie Recht behalten. Ebenso war es mit den Papageien hier. Er erzählte ihr in Berlin von ihnen, als er wie öfters im Jahr zu Besuch aus Jamaika kam. Er sagte: „Das sind ganz neugierige Vögel hierorts und vor allen Dingen ausgesprochen intelligent. Ich brauche sie geradezu auf meiner Farm, weißt du?! Das Besondere jedoch, finde ich, ist ihr pechschwarzes Gefieder!“ Einst aber schüttelte sie nachhaltig den Kopf und sprach: „Nein, nein sehe einmal genau hin! Sie sind nicht schwarz, vielmehr Koboldblau!“ Damals war er ein wenig erzürnt gewesen und konterte: „Woher willst du das denn wissen? Du hast sie ja doch noch nie gesehen. Ich hingegen jeden Tag!“ Darauf lächelte sie mildtätig: „Du wirst sehen, schaue beim nächsten Mal ganz genau hin! Du wirst ganz nah an sie herankommen. Füttere sie doch ein wenig mit einem Leckerbissen, dann werden sie dir vertrauen und du kannst sie aus der Nähe betrachten. Koboldblau sind sie. Wunderschön!“ Wie sich herausstellte, hatte sie Recht behalten! So schwand mit der Zeit die Skepsis und er nahm nun ihre Gabe an. Warum sollte es nicht Dinge geben zwischen Himmel und Erde die man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht erklären kann?! Ein gutes Beispiel sei hier mal durchdacht, sinnierte er, das Thema: Luft. Luft benötigen wir zum atmen. Das war schon immer so. Luft muss also demnach Etwas sein. Wie wir heute wissen ist Luft ein Gas. Jedoch da muss man jeden Tag feststellen, dass Luft im Grunde nicht vorhanden ist, denn es ist nicht sichtbar. Wir könnten so folgern: Es ist nicht da, somit existiert es nicht! Das jedoch ist falsch wie wir heute wissen, den Wissenschaftlern unserer Zeit ist es nachweislich gelungen zu beweisen, dass Luft existiert. So dürfte es sich mit anderen unsichtbaren Phänomenen verhalten. Selbst wenn sie gar nicht sichtbar oder greifbar sind, könnten sie da sein! Er lächelt, als hätte er den Stein des Weisen entdeckt. Ja, nur weil die Wissenschaftler das noch nicht ganz erforscht haben, hat das ganze Thema doch seine Berechtigung. Das es immer so ist und so sein wird wie sie es sagt, dies ist Beweis genug. Ebenso wie er fröhlich Tag für Tag atmen kann und Luft aus dem
„Nichts“ entnimmt, denn das ist doch auch Beweis genug! Es gibt da keinen Zweifel mehr. Auch er hat hier schon merkwürdige Erlebnisse auf dieser Insel gehabt, manchmal sogar in der Meditation. Er hat so verinnerlicht, dass dies seine heilige Insel ist und er diese Botschaften von innen heraus erhalten hat die magische Insel aus seinem karmischen Vorleben in diesem Leben wieder zu finden. Dies war ihm ja auch gelungen, als er begann auf sein Inneres zu hören und hier auch die Bilder, die er sieht, nicht sofort auszusortieren, sondern fest abzuspeichern. Sie sagen immer etwas über die Zukunft aus und wer weiß, vielleicht können sie ja doch hin und wieder hilfreich sein?! Wie immer beginnt er wie jeden Tag seine Arbeit auf der Farm. Pflanzen umsetzen, Keimlinge in die Erde setzen, abernten und Insekten vernichten. Zusammen mit seinem besten Freund und Helfer aus dem Brunnen Wasser schöpfen und seine grüne Oase tränken. Des weiteren die Hunde, die Katzen und Schweine mit Futter versorgen. „Heute!“ verkündet die Göttin wohlgemut, „werden wir los ziehen und uns ein paar schöne Stöcke holen! Wer kommt mit?“ Die Kinder die sich jeden Tag wie kleine Welpen um sie scharen rufen laut: „Ich, ich!“ Schon machen sie sich auf den Weg, die „Großen“ nehmen eine Machete mit, um sich den Weg durch den dichten Urwald frei zu kämpfen, immer entlang des grünen, wilden Pfades. Alsbald haben sie schon gefunden was sie gesucht haben, schöne Stöcke die, die weiße magische Frau begehrt hatte. Heimlich haben sie ihre selbst gebastelten Steinschleudern zuvor in die Hosentaschen gesteckt, wohl wissend aber, dass sie es keinesfalls zulassen wird, dass diese Waffen zum Einsatz kommen. Sie wissen es einfach, die „weiße Frau mit dem Falken auf dem Arm“ besitzt einen Zauber, der es verbietet auf Vögel zu schießen. Sie würden es nicht wagen gegen diese Regel zu verstoßen, denn es könnte sein, dass sie die Zauberin sonst einen Fluch ausspricht. Sie haben keinen Zweifel an der Magie die, die weiße Frau ausübt, denn heimlich haben sie die Frau schon beobachtet wie sie Rituale zelebriert. Merkwürdige Rituale, wo eine weiße Tischdecke, eine brennende Kerze in Wasser getaucht und magische Worte eine Rolle spielen. Nicht zu vergessen das Räuchern von Weihrauch und anderen orakelhaften Essenzen. Niemand würde es sich mit ihr verscherzen, niemals, denn sie mögen die weiße Frau. Voll gepackt mit Stöcken kehren sie zur Hütte zurück und die Göttin verkündet: „So, nun werden wir uns alle ein Stück der Stoffe aussuchen! Jeder in seiner Farbe und nur ein schmaler Streifen wird hier jeder zuschneiden. Anschließend zeig ich euch wie das geht, denn wir müssen ihn mit Leim am Stock festkleben. Wenn wir fertig sind werde ich Morgen in der Frühe hier Musik einlegen und wir können dann zusammen einen Tanz einstudieren. Das ist ein Tanz der schon lange in Europa getanzt wird. Glaubt mir, das wird euch einen Heidenspaß machen! Seid ihr bereit für mächtig viel Arbeit? Denn eines ist jetzt sicher: Wir müssen üben und nochmals üben! Denn alles was wir heute einstudieren muss ganz genau miteinander abgestimmt sein. Ich bin aber sicher wir werden das zusammen schaffen! Der Lohn unserer Arbeit ist schließlich eine Vorführung bei der Strandparty die geplant ist. Ich bin sicher, da werden alle mächtig stolz auf euch sein!“ Sie blickt in die großen Äuglein und Münder die offen stehen und gebannt zuhören. „Auf, auf! Und nun ran an die Bastelei, wir wollen doch heute noch fertig werden!“ Musik dudelt währenddessen aus dem großen Ghettoblaster, die Spinne die sich diesen als ihren Wohnort ausgesucht hat, hüpft im Takt mit und die Kinder singen fröhlich mit im Takt mit. Die Stöcke hängen nun mit bunten Stoffschlangen bestückt, geradezu bizarr an der Wäscheleine und eine sanfte Brise lässt diese Stofffähnchen im Wind tanzen. Dieses bestaunen die Kinder als sie am nächsten Morgen kommen, sind auch ganz aufgeregt, weil die Göttin schon Musik eingelegt hat und erwartungsvoll dasteht mit einem großen Batiktuch. Sie wird nun die Kinder anleiten, wie sie das große Tuch halten können, damit es zum Leben erwacht. Sie gibt Anleitung, wie die Kinder synchron die Arme bewegen können damit das Tuch zum Drachen wird oder mit welligen Bewegungen zur Schlange erweckt wird. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und sie motiviert die kleinen Zauberlehrlinge: „Ja, so ist es schon besser, seht her! Wenn ihr alle zur gleichen Zeit diese Bewegung macht, dann lebt auch dieser Stoff hier und wird zum Phantasie- Tier. Seht! Ihr habt es in eurer Hand es zum leben zu erwecken, denn das ist Magie. Habt ihr das geschafft, dann werden wir das gleiche mit den Stöcken tun und die Schlangen tanzen lassen!“ Die Kindern lachen und albern herum, lassen ab und zu im Übermut alles geschehen und das Stück Stoff fällt ganz ohne Magie zu Boden. Dennoch angeregt vom Ehrgeiz verzagen sie keineswegs und üben weiter. Sie sind ganz und gar von dem Wunsch beseelt dieses magische Ritual zu beherrschen, die ihnen die Magierin jetzt präsentiert. Die Künste der kleinen Magier lassen sich am Ende durchaus als erfolgreich bezeichnen und die Göttin ist glücklich den Kindern mit wenig Perspektive im Alltag etwas Erheiterung zu verschaffen. Letztlich profitiert auch sie von dem Glück das ihr beschert wird. Die Göttin, die Schamanin in ihr, wird wieder tanzen. Morgen schon wird sie wieder tanzen. Das Monstrum, das Gnadenlose, das einst sich hat in der Wirbelsäule fest gekrallt hat, ist hier gänzlich verschwunden und besiegt. Ihr Rücken, ihre Glieder sind biegsam und geschmeidig. Ja, Morgen wird sie wieder tanzen! So wie sie es hat in ihrer Vision gesehen, vor mehr als drei Jahren, in einem Winter in Berlin, am letzten Tag des Jahres, alleine in ihrer Wohnung, die sie schon ein Jahr später verlassen wird um einen neuen Lebensabschnitt einzuleiten. Einen der Silvester die sie meist alleine verbrachte, nur mit den Kindern, einsam mit sich, wenn auch selbst gewählt, denn Feierlichkeiten und Trinkgelage liegen ihr nicht. Nur dem Lichtermeer zuschauen und an die Vision denken, die sie wieder und wieder hat: Das Paradies – sie ist durch und durch wie eine Suren – Frau mit rotbrauner Erde gesalbt – Die Haut leuchtet zart durch das Fett, dem Kokosnussöl, das ihm, dem Gemisch Haltbarkeit und Geschmeidigkeit verleiht – ihre langen Haare sind zu einem geflochtenen Zopf gebändigt – Sie hat hier nur einen kurzen, braunen Wildlederrock an, ihre üppigen Brüste, die einst ihren drei Kindern Nahrung und auch Geborgenheit gaben, sind festgehalten durch eine Korsage – sie ist schön, so schön eben wie eine Frau mit über vierzig Jahren eben schön sein kann. Die Vision erfüllt sich nun heute hier auf dieser heiligen Insel: Sie ist hier und heute die Schamanin die sich nun eine Pfeife schmecken lässt, eine Pfeife gefüllt mit dem hier wachsenden aromatischen Tabak, der ganz zart nach Mango schmeckt. Die Musik, dröhnende Musik, tönt aus großen Lautsprechern, unzählige Menschen, schöne, exotische Menschen, stimmen sich ein, auf das was noch kommen wird. Hier und heute wird sie wieder tanzen, ebenso ursprünglich wie die Ureinwohner Afrikas immerzu schon getanzt haben. Hier und heute wird es in Erfüllung gehen, hier unter den Nachfahren der Ur - Afrikaner, der Sklaven von einst, die ihre uralten rituellen Tänze zelebrierten, den Schwarzen hier, die noch ihre Ahnen im Blut haben. Die, die nun verstehen und genießen, so wie die Schamanin heute tanzen wird. Die C.D von Oliver Shanti liegt schon bereit um zum Einsatz zu kommen und die Kinder springen schon aufgeregt wie kleine Hühnchen herum, ganz zappelig sind sie schon und warten darauf ihren einstudierten Tanz, die Einleitung, mit ihrer weißen magischen Frau vorzuführen. Heute sitzt kein Falke auf dem Arm, ein kleiner, zahmer Papagei hat heute Platz auf ihrer Schulter genommen. Die Kinder hüten ihren großen Schatz, den schönen Stock, an jedem Ende das Stofffähnchen, welches sich sanft windet wie die Schlange. Sie beobachten die Göttin, die Schamanin, die dort sitzt in Meditation, scheinbar von der Umgebung nichts wahrnimmt und warten geduldig auf das vereinbarte Zeichen. Wenn das Lagerfeuer entfacht wird und der golden rote Ball, die Sonne sich ins Meer schlafen legt, dann wird es soweit sein. Diese Vision sich heute erfüllt, was sich nicht am Mondfest erfüllen konnte, denn dieses Ritual bedarf eines magischen Ortes, mit magischen Menschen. Menschen, die verstehen und fühlen was es heißt ein uraltes Ritual zu begehen. Denn Magie entsteht nur in der Gemeinschaft, im gegenseitigen
„Verstehen“ und „Erfühlen“, denn es erfordert in Gemeinschaft hohe Energien die gebündelt fließen müssen. Die Göttin beendet ihre Meditation, begibt sich nun in Trance, die Musik ergreift nun Besitz von ihrem „Ich“ und sie beginnt nun die Musik zu fühlen, den Rhythmus und die Melodie. Sie benötigt ihre Ohren im Grunde nicht, sie fühlt und ihr Körper reagiert intuitiv und sie beginnt mit einem Zeichen anzudeuten, dass es nun soweit ist. Die Kinder eilen herbei und fließen mit ihr, ein Zauber spiegelt sich in den Gesichtern der umstehenden Menschen ab und hält sie in ihren Bann. Inspiriert greifen die Männer zu ihren Trommeln und schlagen im Takt, sie fühlen wie die Schamanin und ihre kleinen Lehrlinge. Die Musik und die Urahnen werden eben in diesem Moment geboren, erwachen zum leben. Zeit existiert nicht mehr, ist nicht relevant, denn es ist die Ekstase die ihnen allen innewohnt, so wie vor Tausenden Jahren auf der Heimat Afrika – „Die Wiege der Menschheit“. Die Menschen verbindet alle gemeinsam eines: Die Gewissheit was Leben ist! Der Magier beobachtet eine jede schwingende Bewegung des Körpers, dass er einst so oft begehren und lieben durfte. Er aber dieses Geschenk damals nicht verdient hatte, welches ihm einst Gott hatte anvertraut. Ahnungslos wie er damals war, hat er nicht geehrt diese Frau mit soviel Spirit im Blut. Sie ist die „Mutter Erde“ die nährt, Leben empfängt, Kinder gebärt und ein Mann sich nur wünschen kann mit ihr zu verschmelzen, Eins sein für immer, in vollkommener Ekstase, so wie sie heute tanzt für sich und die Anderen. Sie hat ihr „Ich“ gefunden, musste in die Abgründe gehen, um wie Phönix aus der Asche neu geboren zu werden. Im „Selbst“, in ihrer Bestimmung die so mannigfaltig ist, um sanft hinüber zu gleiten in die „Vollkommenheit“, die nur ganz wenige Menschen erreichen. Er weint, lässt es fließen, denn er weiß, er wird sie niemals wohl verdienen. Dennoch, er ist glücklich zu wissen, dass er einst diesen Körper fühlen durfte, dieses Gefühl wird mitnehmen bis in den Tod und es tröstet ihn zu wissen, dass er sie in einem nächsten Leben immer wieder finden wird, um sie wieder neu zu entdecken. Das karmische Band wird immer vorhanden sein, denn es ist weitaus mehr als nur die Erotik die hier diesen Zauber ausmacht. Es ist die Schwingung von der Energie die nun fließt, denn sie ist die Energie! Mag sie alt werden, gebeugt am Krückstock, mit krummen Kreuz, faltenreiches Gesicht, gegerbte, lederne Haut und graues Haar – sie wird wohl immer schön sein, denn sie hat Spirit! Sie ist nicht nur Pflegerin, nein, sie ist Heilerin, sicher auch bald eine gute Schamanin. Das ist ihr karmisches Erbe, mit jedem Lebensjahr mehr wird sie die große Magierin. Eine Schamanin die es versteht mit berauschenden Pflanzen umzugehen. „Alles zu seiner Zeit und am richtigen Ort!“ sie stets sagt, jetzt erst kann er diesen Satz richtig verstehen, denn die Schamanin weiß mit berauschenden Pflanzen umzugehen, ganz intuitiv eben kennt sie auch die großen Gefahren die durch Rauschmittel entstehen können. Die Schamanin, die Tausendjährige alte Seele weiß um die Wirkung und Gefahren, wenn Missbrauch betrieben wird. Hätte er dies nur schon viel eher erkannt, er diese Gabe hat viel zu spät entdeckt hat und um ein Haar beinahe seinen Lebensplan riskiert hatte. Sie, die Frau im biologischen Sinn, die „Mutter Erde“, die sie war, auslebte was nur natürlich war: Mutter werden – Fruchtbar sein wie unsere Erde, die unsere Früchte hervorbringt. Hätte er dies nur viel früher erkannt und nicht einst verdammt, dann wäre kein Hass entstanden, wo doch einst Liebe war. Heute hat der Magier es verstanden, tut Buße nun und ehrt Mutter Erde jeden Tag. Gräbt in roter Erde, sät aus, wässert, hegt und pflegt das was wächst und gedeiht in dieser fruchtbaren Erde und ist glücklich das zu ernten was sie hervor bringt. Warum nur so spät erfasst dieses Wissen? So schwankt er mit den Klängen mit die ihn erreichen, schlägt die Trommel mit im Takt, schaut andächtig zu wie sie tanzt, die Göttin, die Magierin, die große Schamanin, eins mit sich selbst und ihrer Bestimmung. Was ist schon das Geld wert? Sinniert er, wenn nicht das Leben an sich schon der große Gewinn ist. Hätte er nur das schon eher erkannt, dann hätte er nicht viele Jahre verschenkt für nichts und wieder nichts. Denn Geld schwindet, wie das Leben, aber das Leben, das ist viel kostbarer als Geld je sein könnte. Warum nur hat er ihr einst nicht geglaubt, ihr vertraut, der Frau mit dem „zweiten Gesicht?“ Weil es das nicht gibt? Und doch, nun ist es bewiesen, nun hier an diesem Ort, den magischen Ort, jetzt wo sie hier tanzt, so wie sie es einmal vor achtzehn Jahren in Berlin nur für ihn einmal getanzt hat, mit dem Versprechen einmal die Göttin zu sein. Es ist ein Trost, dass er sein Versprechen hielt und ihr diesen magischen Ort hier schenken kann. Eine zweite Heimat oder aber, später einmal ihre alleinige Heimat, so wie sie es wünscht.

Anmerkungen des Autors:

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